Freitag, 3. Juli 2015

Am Lago Atitlan in Guatemala (San Pedro)

In San Christobal buchten wir einen Bustransfer nach Panajachel. Dies ist die größte Stadt am See Atitlan. Der See gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen in Guatemala und so einige Aussteiger, Weltenbummler und andere sind hier zumindest für eine Weile bereits hängen geblieben, wohl auch aufgrund des ganzjährig milden Klimas.

Nicht ganz grundlos, der See befindet sich auf etwa 1600m und ist umgeben von hohen Bergen, besonders auffällig sind die 3 Vulkane Tolimán, Atitlán und San Pedro. Der See ist kalt, tief, blau und leider so gut wie tot, aufgrund unbeabsichtigter Dauerverschmutzung.

Dennoch zweifelsohne einer der schönsten Orte auf unserer Reise mit überragendem Ambiente. Die kleinen Dörfer rund um den See sind am besten mit dem Boot zugänglich und versprühen einen sehr indigenen Eindruck ohne übermäßigen Tourismus. Wobei dieser die Haupteinnahmequelle der Region, neben Kaffee- und Avocadoanbau ist.

Nun aber erst einmal zurück zu unserer Anreise, wie bereits erwähnt buchten wir einen Transfer. Die Fahrt sollte etwa 8 Stunden dauern und früh morgens um 7.30 Uhr ging es los. Nun wir erreichten San Pedro erst nach Einbruch der Dunkelheit gegen 20 Uhr, eigentlich erst 21 Uhr es lag noch eine Stunde Zeitverschiebung dazwischen. Nun Fortbewegung in Mittelamerika kann schon mal etwas länger dauern.

Jedenfalls ging es im Collectivo (Minivan) Richtung Grenze, vorbei an einem gewaltigen Militärposten im Grenzgebiet. Mexiko ist ja ziemlich clever und verlangt für gewöhnlich eine Ausreisegebühr auf dem Landweg von rund 300 Pesos (etwa 18 €). Das ist ja immerhin die letzte Gelegenheit noch ein wenig „Cash“ zu machen. Nun man hält also neben einer Tankstelle an und wird in ein kleines Büro daneben geschickt. Es hätte auch ein Imbiss sein können, aber tatsächlich saß da ein Grenzbeamter und fertigte alle Insassen unseres Busses ab.

Als wir an der Reihe waren passierte das unmögliche…. Der Beamte wollte unser Geld nicht… und gab es uns zurück… Sachen gibt’s, wir haben keine Ahnung warum, möglicherweise weil wir per Flugzeug einreisten. Egal wir behielten unser Geld sehr gerne. Als alle ausgestempelt haben und ihre Touristenkarte zurückgeben, ging es noch ein paar Kilometer im Bus weiter zur eigentlichen Grenze.

Dort musste jeder sein Gepäck nehmen und zu Fuß liefen wir am bunten Treiben vorbei zum Grenzposten. Bei dem wir unseren Reisepass abstempeln ließen. Insgesamt 90 Tage bekommt man für die 4 Länder Guatemala, Nicaragua, El Salvador und Honduras. Ansonsten gab es keine weiteren Kontrollen. Allgemein war es ein sehr geschäftiges Gewusel in diesem Niemandsland zwischen Mexiko und Guatemala. Keine Ahnung ob sich überhaupt jemand die Mühe macht irgendetwas zu kontrollieren. Es machte zumindest nicht diesen Eindruck.

Nun wir hatten über 2 Stunden Zeit alles ausreichend zu beobachten, solange dauerte es nämlich bis unser guatemalischer Fahrer eintraf um uns zu unserem eigentlichen Ziel weiter im Landesinneren zu bringen. Also Gepäck auf das Dach befördert und schnell 2 Sitzplätze im ausgebuchten Minibus besetzt. Vorher feilschten wir noch ein wenig mit den „Geldwechslern“ um einen besseren Kurs und tauschten unsere restlichen Pesos in Quetztal um.

So ging es dann noch etliche Stunden bergauf und bergab durch eine traumhafte Landschaft. In Panajachel angekommen ging es für uns und 2 Spanier per Boot weiter nach San Pedro und ins erstbeste Hotel für 2 Nächte (recht günstig, 80 Quetztal (9,40€) für ein Doppelzimmer). San Pedro ist definitiv das „Gringo“ Dorf Nummer 1 am See.

Was aber genau der Grund für unseren Besuch war, denn es gibt viele Spanisch Sprachschulen im Dorf. Ein wenig Spanisch lernen und üben, kann ja nicht schaden und wir hatten dies schon länger vor. So entschieden wir uns für 20 Stunden in 5 Tagen und wurden untergebracht bei einer lokalen Familie inklusive 3 Mahlzeiten am Tag für 7 Nächte. Das ganze kostete dann komplett für uns beide nur 2100 Quetztal (247€), also ein fast unschlagbarer Preis, deswegen warteten wir mit einem Sprachkurs bis wir in Guatemala waren.

Während der 5 Tage unternahmen wir nicht wirklich viel, doch zeigte uns unser Gastvater Manuel einige der umliegenden Dörfer. Natürlich nutzten wir für diese Spritztour das Hauptverkehrsmittel der Landbevölkerung, das Motorrad. Wir machten es uns also zu dritt, auf dem überraschend modernen Gefährt, bequem. So düsten wir an „Tuk Tuks“ vorbei und überwanden so manches Schlagloch auf unserer holprigen Tour, im Übrigen ganz ohne Helme.

Einen anderen Abend ging es mit der Sprachschule ins Nachbardorf „San Juan“ zum Dorffest. Ein wenig wie ein Rummel samt Tanz. Sehr interessant und auf jeden Fall speziell, vor allem die bereits in die Jahre gekommenen Fahrgeschäfte ließen uns erschaudern. Aber nichts im Vergleich zu dem handgemachten Feuerwerk, welches uns mehr an Artilleriebeschuss erinnerte (auch wenn wir beide nicht wirklich echten kennen). Jedenfalls war es sehr laut, es gab keine Absperrung und stetig regneten die noch brennenden Feuerwerkskörperüberreste zu Boden. Als aber dann eine Art Stierkampf inszeniert wurde, war uns klar in Guatemala wird ein wenig anders gefeiert. Ein Mann wedelte kontinuierlich mit einem roten Tuch, während ein anderer in einem Feuerwerkskörpergestell ihm immer wieder hinterher rannte… Echt wild und irgendwie auch gefährlich, zumindest aus unserer Sicht.

Nach 20 Stunden spanisch können wir nun mit recht von uns sagen…. Das wir immer noch mit der Sprache überfordert sind. Doch immerhin haben wir jetzt ein Grundverständnis und werden die nächsten Wochen üben. Unser Lehrer Jose hat aber einen guten Job gemacht.

Den „Ferienbeginn“ wollten wir eigentlich kräftig feiern, bevor wir den Lake Atitlan verließen…. Doch nach langer Wartezeit hat sich nun auch André s Magen bei irgendeiner Landesköstlichkeit übernommen. So hieß es für ihn liegen bleiben und ausruhen.

Ansonsten beschäftigten wir uns während des Aufenthaltes bei unserer Gastfamilie mit Karten spielen, Minikonversationen und Schach. Vor allem die Kinder der Familie ließen es uns nicht langweilig werden.

Bevor wir uns auf den Weg zur nächsten größeren Sehenswürdigkeit dieses recht kleinen Landes machten.

Vroni und André

Vor uns liegt Guatemala.

Und hier vor dem Büro der Einwanderung warteten wir gute 2 Stunden, im Niemandsland.

Der See Atitlan und 2 seiner Vulkane.

Im Bild ist ein sogenannter „Chicken Bus“ (Hähnchenbus) zu sehen. Diesen Namen bekam dieses günstige Transportmittel von den Gringos. Da die Buse für gewöhnlich bedenkenlos vollgestopft werden und  man in einer unnatürliche Haltung oft für mehrere Stunden eingeferscht ist. Es sind übrigens alte aufgemotzte amerikanische Schulbusse. Bisher haben wir uns noch immer für die bedeutend schnellere aber auch kostspieliger Minivan Variante entschieden.

San Pedro bei Nacht


Eine Partie Schach während unserer ersten Stadterkundung und nach einem lecker Brunch.


Manuel unser Gastvater.

Auf Erkundungstour

mit dem Motorrad

Gerüstabbau

Tuk Tuks und Motorräder kämpfen um die Vorherrschaft in San Pedros Gassen.

Nach einem langen und harten Schultag.

Disney einer der Kinder steht total auf Schach.

Auf dem Weg zur Fiesta in San Juan. Dieses Tuk Tuk wurde von unserem quasi im Sand versenkt.
 
Rummel auf dem Lande, das Riesenrad schleudert seine Besucher mit ungeheurer Geschwindigkeit im Kreis herum. Viel kleinere wurden noch per Hand in Bewegung versetzt.

André s jahrelange Training auf Kreuzfahrtschiffen und in bundesweiten Kneipen und sein somit amaterurhaften Fähigkeiten beim Tischfussball, ermöglichten einen knappen Sieg J hihi.

Einsatz für den Elektriker

Hier wird mit Wasserballons geworfen…

…hier gibt es einen „Breakdance“ Wettbewerb..

…und hier Livemusik und Tanz.


Dann begann auch schon das Feuerwerk.

Die etwas fragwürdige Stier-Feuerwerk-Show.

Zu Manuel s Geburtstag gab es diesen speziellen Kerl zum Mittag. Nun sehr gewöhnungsbedürftigt und vielleicht liegt hier ja auch der Grund für Andrés Darmverstimmung.

Vor unserem Gästehaus

Unser Zimmer

Und das Bad, etwas eigen ohne Klobrille und abends unter der Dusche wurden wir (vor allem Vroni) von zwei riesigen Kakerlaken bespannt, URGS. Gut das wir (vor allem Vroni) uns bisher schon gut abgehärtet haben. J



Da geht’s zu, was für ein Verkehr.
Unterricht mit Jose, die Cappuccino im Bild waren übrigens die Ausnahme.

Manuela unsere Gastmutter ließ es sich nicht nehmen Vroni in eine traditionelle und alltägliche Tracht zu stecken.

Manuelito ist der Kleinste in der Familie.

P.S.
Unser Lehrer klärte uns über das Wort „Gringo“ auf. Es leitet sich ab aus den englischen Wörtern „green“ (grün) und „go“ (gehen). Mitte der Siebziger bis Anfang der Achtziger war eine blutige Zeit in Guatemala, geprägt von Kämpfen zwischen der Armee und Guerillakämpfern. Dabei unterstützte die US-Armee das Militär und die Regierung Guatemalas. Das Militär ging mit äußerster Grausamkeit gegen vermeintliche Familien von Guerillakämpfern vor und tausende Zivilisten oft ganze Familien wurden ermordet.

Da die stationierten US-Soldaten grüne Uniformen trugen und gehen (das Land verassen) sollten, verbreitete sich der Begriff „Grin-go“ sehr schnell in der Zivilbevölkerung und hat definitiv einen negative Hintergrund und bezeichnet Amerikaner. Heute wird das Wort sehr vielseitig und oft verwendet, sicherlich weil viele den Ursprung des Wortes nicht mehr kennen.
 

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