Freitag, 11. September 2015

Medellin - Von roten Backsteinen und Kokain


Nach Medellin (ausgesprochen Medechien) gelangten wir per Nachtbus. Dieser gab auch wirklich alles, denn irgendwo mitten in der Nacht auf 3000m Höhe klemmten die Gänge und es ging nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiter. Aber dieses Problem löste sich scheinbar im weiteren Verlauf der Fahrt. In Medellin angekommen, stellten wir verwundert fest das die Reifen bzw. Bremsen oder doch etwas anderes reichlich qualmte und sich eine braun-gelbe Flüssigkeit zischend den Weg in die Freiheit bahnte. Nun wir erreichten ja zum Glück unser Ziel bereits.

Medellin befindet sich auf 1500m in einem Flusstal, hat über eine Million Einwohner und besticht durch seine zahlreichen Backsteinbauten. Uns war es nicht so geläufig, doch andere Reisende berichteten über die einschlägige Geschichte dieser Stadt. Der ein oder andere hat eventuell schon einmal vom „Medellin Kartell“ gehört. Dieses war Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger die berühmte Verbrecherorganisation um „Pablo Escobar“ welche mit Kokain, Bestechung, Gewalt und Mord Unheil über Kolumbien brachte.

Bevor wir aber zu einer „Pablo Escobar-Tour“ aufbrachen, unternahmen wir eine Stadtbesichtigung mittels Metro/U-Bahn und der Gondel welche im Fahrpreis inbegriffen ist und die hochgelegenen Vororte an zwei verschiedenen Stellen mit dem U-Bahnnetz verbindet. Nicht unbedingt hübsch aber ansehbar mit teils sehr moderneren Gebäuden. Besonders bemerkenswert fanden wir aber den mangelnden Müll und die allgemeine Sauberkeit.

Etwas überraschend wurde André von einem Magen-Darm-Zwischenfall niedergestreckt und so ging zwei Tage lang nicht viel. Deshalb buchten wir uns ein Privatzimmer und erholten uns ausgiebig bei Tee und TV.

Das hat Wunder bewirkt und wir konnten eine Tour nach „Guatape“ unternehmen. In diesem kleinem Dorf kann man durch die hübschen Gassen schlendern und der größte frei stehende Fels Südamerikas befindet sich ganz in der Nähe. Diesen konnten wir über 740 steile Stufen bezwingen und verdienten uns so einen ziemlich imposanten Ausblick in traumhafter Kulisse.

Am letzten Tag unseres Besuchs buchten wir die angesprochene „Pablo Escobar“ Tour, welche uns durch die gesamte Stadt führte. Unsere Reiseführerin beeindruckte durch viele Information, klaren Worten und einer Aufrichtigkeit, welche wir so nicht erwarteten.

Sie ist einige Jahre jünger als wir und erlebte den Schrecken des Drogenkrieges zwischen den Kartellen, Militär, Polizei und ausländischer Parteien selber mit. Fast jeder aus ihrer Generation verlor Freunde, Bekannte oder Familie. Bekannt sind etwa 300000 Opfer nur in den Jahren zwischen 1986 bis 1992 in Kolumbien. Attentate, Bombenanschläge oder Schießereien in den Straßen, auf Spielplätzen und Einkaufszentren sind für uns unvorstellbar. Dennoch ist eine starke selbstbewusste und um Aufklärung und Gerechtigkeit bemühte kolumbianische Generation herangewachsen, wie unsere Reiseführern und ihr Fahrer. Dafür gibt’s schon mal beide Daumen hoch.

So manche Insassen unseres Busses haben wohl irgendwie mehr Entertainment und eine witzigere Veranstaltung erwartet. Zugegeben am Ende fanden wir manche Ausführungen auch etwas zu dramatisch. Aber dennoch zeigt es uns ja wie ernst man das Thema Drogenkrieg in Kolumbien nehmen muss. Denn natürlich werden nach wie vor Rekordmengen Kokain in die USA und nach Europa geschmuggelt. Heute haben Paramilitärs und Milizen die großen Kartelle ersetzt. Auch ist der Drogentourismus wie wir selber schon beobachtet haben unter manchen Reisenden sehr beliebt. Soll heißen, „wenn man schon mal da ist, kann man es ja mal probieren“. Wir haben es natürlich nicht probiert oder jemals mit dem Gedanken gespielt und waren sichtlich verschreckt von dieser Form des Tourismus.

Generell weiß man ja das Drogen schädlich sind. Wir können uns auch noch an Drogenbeauftragte in unseren Schulen erinnern. Welche erzählen wie schädlich diese doch für deinen Körper sind, Abhängigkeit verursachen und so weiter. Wichtiger finden wir aber das Drogen definitiv und unausweichlich töten und zwar vornehmlich in Mexiko, Kolumbien, Nicaragua, Guatemala, Kuba, Peru usw. und das meist nur weil Menschen in den Staaten und Europa etwas extra Spaß auf Partys suchen.

Menschen die den Drogenbossen im Weg stehen oder sich in den Weg stellen, nicht mitmachen wollen, an die Öffentlichkeit gehen oder nur den falschen Bekannten haben, zur falschen Zeit am falschen Ort sind, nicht rechtzeitig liefern, werden ermordet. Kindersoldaten aus armen Verhältnissen werden rekrutiert und zum Töten auf die Straßen geschickt und natürlich auch getötet. Land wird nicht gekauft sondern oft gestohlen und deren Eigentümer aus dem Weg geräumt. Der Magen oder Darm von Erwachsenen, Kindern und sogar Babys wird mit Päckchen voller Kokain befüllt und dann geht’s mit dem Flieger sonst wohin. Dort holen sich die Eigentümer ihre Ware oftmals mit Gewalt wieder zurück. Zu Zeiten Escobar kam dies alles öffentlich zum Vorschein und erreichte einen bis dahin unbekannten Höhepunkt, aber natürlich hat es nie aufgehört.

Es muss noch viel für Aufklärung in der ersten Welt getan werden, um das Leid am anderen Ende der Erdkugel zu mindern. Solange die Nachfrage besteht, werden diese raffgierigen Verbrecher auch weiterhin Mittel und Wege finden die Drogen zu liefern. Aufgrund von Korruption werden die Regierungen der beteiligten Länder den Drogenhandel nie stoppen.

Nun aber noch ein paar weniger schwer verdauliche Fakten. Escobar besaß einst eine riesige Finca auf der er seinen persönlichen Zoo hatte. Nach seinem Tod wurden die Tiere überführt nur mit den Nilpferden gelang dieses nicht wirklich, aufgrund ihrer Größe und Aggressivität. So ließ man sie zum Sterben zurück, allerdings vermehrten sie sich prächtig in der grünen und wasserreichen Gegend und so lebt heute eine wilde und freie Kolonie von über vierzig Tieren in Kolumbien.

Da die Drogenbosse ihr ganzes Bargeld schlecht anlegen konnten, versteckten sie es oftmals in Häusern und im Dschungel. So kommt es das man gelegentlich bei Bauarbeiten in Zwischenwänden mehrere Millionen Dollar findet oder bei Wanderungen Fässer voller Geld entdeckt. Der Rat unserer Reiseführerin war ganz klar. Mund halten, Geld einstecken und abhauen, denn es ist nicht im Ansatz sinnvoll es der Regierung zu melden. Das Geld würde beschlagnahmt und dann wieder verschwinden. Genauso wie aus mehreren Tonnen Kokain geschützt in einer Polizeistation bewacht von Dutzenden Beamten über Nacht reinstes Mehl werden kann.

Es gibt zahlreiche Filme über solche kuriosen Ereignisse und generell hat der Kolumbianer einen zutiefst schwarzen Humor, so wurde es zumindest berichtet. Ebenfalls interessant ist das Kolumbien riesige Trinkwasservorkommen besitzt, sowie jede Menge Rohstoffe, seltene Mineralien und Edelmetalle.

Wir finden Kolumbien ist ein wunderbares und fasettenreiches Land mit traumhaften Landschaften, welches eine Reise lohnt. Das soll denn mal die Moral der Geschichte gewesen sein.

Liebe Grüße

Vroni und André

Aufwachen Andrééééééééé....wir sind daaaa!!!

Hier sieht man die das der Bus schon sehr gelitten hat! 

Gleich am ersten Tag entschloss sich André für einen neuen Style ;)

Und danach ging es noch ein wenig in die Stadt und in den Botanischen Garten.
Naja er war eher nur ein Park als super Botanisch :/

Wir traffen auch alte bekannte wieder :)

Nach längerem überlegen, probierte Vroni dann doch etwas was die Kolumbianer immer aßen.
Mango in Streifen mit Salz, Pfeffer, Essig und Limettensaft!!
Es war.............na man sieht es ja :D

Hier unser schickes Privatzimmer, damit sich André auch richtig erholen konnte!!!

Die Stadt ist riesig und voller roter Backsteine!!
Wir fuhren mit der Gondel rauf und runter und mit der Metro hin und her.
So erkundeten wir die Megastadt am einfachsten ;)


Wir traffen dieses Ehepaar aus der Schweiz die durch Südamerika mit dem krassen Truck fuhren!
Da sagen wir mal------es ist nie zu spät!!!!

Auf unserer gebuchten Tour nach Guatape gab es zur Begrüßung erst mal Live Musik im Bus!!

Wir machten etliche Stops um die Natur zu bewundern ;)

Fühstück gabs dann auch noch.....mmhhhhh!

Herrlich oder?!

Kolumbien ist so schön bunt!

Es war auch ein wenig Abenteuer dabei. So badeten wir in dem Fluß und wer wollte konnte von der Blücke springen.

Da war er endlich, der Große Stein!!!!

Zack Zack und rauf da!!!

740 Stufen später........

......genossen wir diese grandiose Aussicht.


Nach der Besteigung gab es dann noch lecker Mittagessen (es war schon 15 Uhr).

Wir schlenderten danach noch ein wenig in der sehr bunten Stadt "Guatape" umher.

Na wer wohnt denn da?

Die Wolken haben manchmal schon sehr komische Formen ;)

Zu guter letzt sahen wir Medellin noch von oben in der Nacht!
Atemberaubend, dass ein Foto nicht einfangen kann!

So nun zu Pablo Escobar!
Das war sein erstes Haus in dem er nur mit seiner Familie und den Laibwächtern wohnte.
Es war das erste Hochhaus in dieser Gegend, so konnte er alles überblicken!

Hier beteten Drogenbosse neben Bettlern.

In diesem Haus wurde er gefunden, mitten in Medellin und erschossen.
Er wurde auf der ganzen Welt gesucht, doch er fühlte sich in seiner Heimatstadt am sichersten.

Ein kleiner Einblick in die Kokain Routen.

Da fehlen einem doch die Worte.

Das war er bei seiner ersten Verhaftung. Er lachte, denn er wusste das er nicht lange hinter Gittern sitzen würde.

Auf diesem Friedhof sind normalerweise nur kleine Steinplatten in weiß oder grau erlaubt. (siehe Hintergrund)
Doch was man im Vordergrund sieht ist Pablos Grab!!

Nicht im Guten Sinne...aber er ging in die Geschichte ein.

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