Nach Medellin (ausgesprochen Medechien) gelangten wir per
Nachtbus. Dieser gab auch wirklich alles, denn irgendwo mitten in der Nacht auf
3000m Höhe klemmten die Gänge und es ging nur noch in Schrittgeschwindigkeit
weiter. Aber dieses Problem löste sich scheinbar im weiteren Verlauf der Fahrt.
In Medellin angekommen, stellten wir verwundert fest das die Reifen bzw.
Bremsen oder doch etwas anderes reichlich qualmte und sich eine braun-gelbe
Flüssigkeit zischend den Weg in die Freiheit bahnte. Nun wir erreichten ja zum
Glück unser Ziel bereits.
Medellin befindet sich auf 1500m in einem Flusstal, hat über
eine Million Einwohner und besticht durch seine zahlreichen Backsteinbauten. Uns
war es nicht so geläufig, doch andere Reisende berichteten über die einschlägige
Geschichte dieser Stadt. Der ein oder andere hat eventuell schon einmal vom
„Medellin Kartell“ gehört. Dieses war Ende der Achtziger bis Mitte der
Neunziger die berühmte Verbrecherorganisation um „Pablo Escobar“ welche mit
Kokain, Bestechung, Gewalt und Mord Unheil über Kolumbien brachte.
Bevor wir aber zu einer „Pablo Escobar-Tour“ aufbrachen,
unternahmen wir eine Stadtbesichtigung mittels Metro/U-Bahn und der Gondel
welche im Fahrpreis inbegriffen ist und die hochgelegenen Vororte an zwei
verschiedenen Stellen mit dem U-Bahnnetz verbindet. Nicht unbedingt hübsch aber
ansehbar mit teils sehr moderneren Gebäuden. Besonders bemerkenswert fanden wir
aber den mangelnden Müll und die allgemeine Sauberkeit.
Etwas überraschend wurde André von einem Magen-Darm-Zwischenfall
niedergestreckt und so ging zwei Tage lang nicht viel. Deshalb buchten wir uns
ein Privatzimmer und erholten uns ausgiebig bei Tee und TV.
Das hat Wunder bewirkt und wir konnten eine Tour nach „Guatape“
unternehmen. In diesem kleinem Dorf kann man durch die hübschen Gassen
schlendern und der größte frei stehende Fels Südamerikas befindet sich ganz in
der Nähe. Diesen konnten wir über 740 steile Stufen bezwingen und verdienten
uns so einen ziemlich imposanten Ausblick in traumhafter Kulisse.
Am letzten Tag unseres Besuchs buchten wir die angesprochene
„Pablo Escobar“ Tour, welche uns durch die gesamte Stadt führte. Unsere
Reiseführerin beeindruckte durch viele Information, klaren Worten und einer
Aufrichtigkeit, welche wir so nicht erwarteten.
Sie ist einige Jahre jünger als wir und erlebte den
Schrecken des Drogenkrieges zwischen den Kartellen, Militär, Polizei und
ausländischer Parteien selber mit. Fast jeder aus ihrer Generation verlor
Freunde, Bekannte oder Familie. Bekannt sind etwa 300000 Opfer nur in den
Jahren zwischen 1986 bis 1992 in Kolumbien. Attentate, Bombenanschläge oder
Schießereien in den Straßen, auf Spielplätzen und Einkaufszentren sind für uns
unvorstellbar. Dennoch ist eine starke selbstbewusste und um Aufklärung und
Gerechtigkeit bemühte kolumbianische Generation herangewachsen, wie unsere
Reiseführern und ihr Fahrer. Dafür gibt’s schon mal beide Daumen hoch.
So manche Insassen unseres Busses haben wohl irgendwie mehr
Entertainment und eine witzigere Veranstaltung erwartet. Zugegeben am Ende
fanden wir manche Ausführungen auch etwas zu dramatisch. Aber dennoch zeigt es
uns ja wie ernst man das Thema Drogenkrieg in Kolumbien nehmen muss. Denn
natürlich werden nach wie vor Rekordmengen Kokain in die USA und nach Europa
geschmuggelt. Heute haben Paramilitärs und Milizen die großen Kartelle ersetzt.
Auch ist der Drogentourismus wie wir selber schon beobachtet haben unter
manchen Reisenden sehr beliebt. Soll heißen, „wenn man schon mal da ist, kann
man es ja mal probieren“. Wir haben es natürlich nicht probiert oder jemals mit
dem Gedanken gespielt und waren sichtlich verschreckt von dieser Form des
Tourismus.
Generell weiß man ja das Drogen schädlich sind. Wir können
uns auch noch an Drogenbeauftragte in unseren Schulen erinnern. Welche erzählen
wie schädlich diese doch für deinen Körper sind, Abhängigkeit verursachen und
so weiter. Wichtiger finden wir aber das Drogen definitiv und unausweichlich
töten und zwar vornehmlich in Mexiko, Kolumbien, Nicaragua, Guatemala, Kuba,
Peru usw. und das meist nur weil Menschen in den Staaten und Europa etwas extra
Spaß auf Partys suchen.
Menschen die den Drogenbossen im Weg stehen oder sich in den
Weg stellen, nicht mitmachen wollen, an die Öffentlichkeit gehen oder nur den
falschen Bekannten haben, zur falschen Zeit am falschen Ort sind, nicht
rechtzeitig liefern, werden ermordet. Kindersoldaten aus armen Verhältnissen
werden rekrutiert und zum Töten auf die Straßen geschickt und natürlich auch
getötet. Land wird nicht gekauft sondern oft gestohlen und deren Eigentümer aus
dem Weg geräumt. Der Magen oder Darm von Erwachsenen, Kindern und sogar Babys
wird mit Päckchen voller Kokain befüllt und dann geht’s mit dem Flieger sonst
wohin. Dort holen sich die Eigentümer ihre Ware oftmals mit Gewalt wieder
zurück. Zu Zeiten Escobar kam dies alles öffentlich zum Vorschein und erreichte
einen bis dahin unbekannten Höhepunkt, aber natürlich hat es nie aufgehört.
Es muss noch viel für Aufklärung in der ersten Welt getan
werden, um das Leid am anderen Ende der Erdkugel zu mindern. Solange die
Nachfrage besteht, werden diese raffgierigen Verbrecher auch weiterhin Mittel
und Wege finden die Drogen zu liefern. Aufgrund von Korruption werden die
Regierungen der beteiligten Länder den Drogenhandel nie stoppen.
Nun aber noch ein paar weniger schwer verdauliche Fakten.
Escobar besaß einst eine riesige Finca auf der er seinen persönlichen Zoo hatte.
Nach seinem Tod wurden die Tiere überführt nur mit den Nilpferden gelang dieses
nicht wirklich, aufgrund ihrer Größe und Aggressivität. So ließ man sie zum
Sterben zurück, allerdings vermehrten sie sich prächtig in der grünen und
wasserreichen Gegend und so lebt heute eine wilde und freie Kolonie von über
vierzig Tieren in Kolumbien.
Da die Drogenbosse ihr ganzes Bargeld schlecht anlegen
konnten, versteckten sie es oftmals in Häusern und im Dschungel. So kommt es
das man gelegentlich bei Bauarbeiten in Zwischenwänden mehrere Millionen Dollar
findet oder bei Wanderungen Fässer voller Geld entdeckt. Der Rat unserer Reiseführerin
war ganz klar. Mund halten, Geld einstecken und abhauen, denn es ist nicht im
Ansatz sinnvoll es der Regierung zu melden. Das Geld würde beschlagnahmt und
dann wieder verschwinden. Genauso wie aus mehreren Tonnen Kokain geschützt in
einer Polizeistation bewacht von Dutzenden Beamten über Nacht reinstes Mehl
werden kann.
Es gibt zahlreiche Filme über solche kuriosen Ereignisse und
generell hat der Kolumbianer einen zutiefst schwarzen Humor, so wurde es
zumindest berichtet. Ebenfalls interessant ist das Kolumbien riesige
Trinkwasservorkommen besitzt, sowie jede Menge Rohstoffe, seltene Mineralien
und Edelmetalle.
Wir finden Kolumbien ist ein wunderbares und fasettenreiches
Land mit traumhaften Landschaften, welches eine Reise lohnt. Das soll denn mal
die Moral der Geschichte gewesen sein.
Liebe Grüße
Vroni und André
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| Aufwachen Andrééééééééé....wir sind daaaa!!! |
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| Hier sieht man die das der Bus schon sehr gelitten hat! |
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| Gleich am ersten Tag entschloss sich André für einen neuen Style ;) |
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Und danach ging es noch ein wenig in die Stadt und in den Botanischen Garten. Naja er war eher nur ein Park als super Botanisch :/ |
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| Wir traffen auch alte bekannte wieder :) |
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Nach längerem überlegen, probierte Vroni dann doch etwas was die Kolumbianer immer aßen. Mango in Streifen mit Salz, Pfeffer, Essig und Limettensaft!! Es war.............na man sieht es ja :D |
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| Hier unser schickes Privatzimmer, damit sich André auch richtig erholen konnte!!! |
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Die Stadt ist riesig und voller roter Backsteine!! Wir fuhren mit der Gondel rauf und runter und mit der Metro hin und her. So erkundeten wir die Megastadt am einfachsten ;) |
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Wir traffen dieses Ehepaar aus der Schweiz die durch Südamerika mit dem krassen Truck fuhren! Da sagen wir mal------es ist nie zu spät!!!! |
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| Auf unserer gebuchten Tour nach Guatape gab es zur Begrüßung erst mal Live Musik im Bus!! |
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| Wir machten etliche Stops um die Natur zu bewundern ;) |
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| Fühstück gabs dann auch noch.....mmhhhhh! |
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Herrlich oder?!
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| Kolumbien ist so schön bunt! |
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| Es war auch ein wenig Abenteuer dabei. So badeten wir in dem Fluß und wer wollte konnte von der Blücke springen. |
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| Da war er endlich, der Große Stein!!!! |
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| Zack Zack und rauf da!!! |
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| 740 Stufen später........ |
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| ......genossen wir diese grandiose Aussicht. |
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| Nach der Besteigung gab es dann noch lecker Mittagessen (es war schon 15 Uhr). |
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| Wir schlenderten danach noch ein wenig in der sehr bunten Stadt "Guatape" umher. |
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| Na wer wohnt denn da? |
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| Die Wolken haben manchmal schon sehr komische Formen ;) |
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Zu guter letzt sahen wir Medellin noch von oben in der Nacht! Atemberaubend, dass ein Foto nicht einfangen kann! |
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So nun zu Pablo Escobar! Das war sein erstes Haus in dem er nur mit seiner Familie und den Laibwächtern wohnte. Es war das erste Hochhaus in dieser Gegend, so konnte er alles überblicken! |
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| Hier beteten Drogenbosse neben Bettlern. |
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In diesem Haus wurde er gefunden, mitten in Medellin und erschossen. Er wurde auf der ganzen Welt gesucht, doch er fühlte sich in seiner Heimatstadt am sichersten. |
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| Ein kleiner Einblick in die Kokain Routen. |
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| Da fehlen einem doch die Worte. |
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| Das war er bei seiner ersten Verhaftung. Er lachte, denn er wusste das er nicht lange hinter Gittern sitzen würde. |
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Auf diesem Friedhof sind normalerweise nur kleine Steinplatten in weiß oder grau erlaubt. (siehe Hintergrund) Doch was man im Vordergrund sieht ist Pablos Grab!! |
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Nicht im Guten Sinne...aber er ging in die Geschichte ein.
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